Kurzzeitkennzeichen ohne TÜV: Auto ohne TÜV überführen
Von: Alexander Bender
26.3.2020

Kurzzeitkennzeichen ohne TÜV: Auto ohne TÜV überführen

Kurzzeitkennzeichen ohne TÜV erhalten – geht das? Diese Frage beantwortet dir der Kennzeichen King in diesem Blogbeitrag höchstpersönlich. Egal, ob mit oder ohne Hauptuntersuchungsnachweis: Ein Fahrzeug sollte in Deutschland immer verkehrstüchtig und natürlich auch sicher sein, wenn es auf öffentlichen Straßen bewegt wird. Ob dafür nun ein Nachweis über die HU zwingend notwendig ist, erfährst du dank der königlichen Expertise in diesem Artikel.

Alle Infos in Kürze:
  • Zuteilung von Kurzzeitkennzeichen auch ohne gültige HU
  • Nur dann, wenn die Kennzeichen für die Überführung zur Prüfstelle genutzt werden
  • Abnahme der HU muss im Zulassungsbezirk erfolgen
  • Überführen zur Werkstatt ohne TÜV ebenfalls möglich

Inhalt:

Auto ohne TÜV überführen – geht das?

Kurzzeitkennzeichen haben viele Namen: Sie werden nicht nur 5-Tages-Kennzeichen genannt, sondern tragen zuweilen auch den Namen Gelbe Kennzeichen. Keinen blassen Schimmer, wofür die Nummernschilder eigentlich vorgesehen sind? Dann wirf unbedingt auch mal einen Blick auf den Blogbeitrag Kurzzeitkennzeichen: Kosten, Beantragung und Versicherung der 5-Tages Kennzeichen – dort findest du eine umfassende Erklärung aller Basics rund um das Fahrzeugkennzeichen mit dem gelben Streifen.

Keine Zeit oder Lust auf die Lektüre? Dann hier noch einmal die wichtigsten Punkte rund um das 5- Tages-Kennzeichen auf einen Blick:

  • Nur für Probefahrten oder Überführungen
  • Nutzung für Privatpersonen an einem einzigen Fahrzeug
  • Für Auto, Motorrad, Anhänger, Wohnmobil und Lkw
  • Gültigkeit: maximal 5 Tage
  • Kosten: 13,10 € bei der Zulassungsstelle

Worum sich dieser Artikel nun aber drehen soll, ist folgende Frage: Ist es möglich, ein Kurzzeitkennzeichen auch ohne TÜV zu bekommen? Denn: Wer in Deutschland am Straßenverkehr teilnimmt, muss in jedem Fall nachweisen, dass das Kraftfahrzeug alle sicherheitsrelevanten Kriterien erfüllt. Das stellen diverse Prüfstellen durch die Hauptuntersuchung sicher.

Dein Auto wird von hinten bis vorne durchgecheckt. Entdeckt der Prüfer einen Sicherheitsmangel, so erteilt er dir mitunter keine Plakette. Gibt es eklatante Sicherheitslücken, die auch für andere Verkehrsteilnehmer gefährlich werden könnten, wird der Wagen womöglich sogar stillgelegt. Das geht nicht nur beim Technischen Überwachungsverein (kurz: TÜV), sondern auch bei diesen Prüfstellen:

  • KÜS (Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger)
  • DEKRA (Deutscher Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein)
  • GTÜ (Gesellschaft für Technische Überwachung)

Kurzzeitkennzeichen ohne TÜV: Strafe in Sicht?

Wenn du nun gelbe Nummernschilder in der Zulassungsstelle beantragen willst, brauchst du verschiedene Unterlagen. Dazu zählen die Folgenden:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • Fahrzeugschein oder -brief (Zulassungsbescheinigung Teil 1 oder Teil 2)
  • elektronische Versicherungsbestätigung
  • gültiger Nachweis der Hauptuntersuchung

Was nun aber tun, wenn dein Wagen eben keinen validen Nachweis von der HU hat? Generell gilt: Du kannst kein Auto zulassen, ohne TÜV – wie die Hauptuntersuchung umgangssprachlich auch genannt wird – zu haben. Bei Gelben Schildern gibt es aber eine Ausnahme. Denn: Die gelben Nummernschilder können auch für die Überführung nicht-angemeldeter Fahrzeuge zur Prüfstelle verwendet werden. Nachlesen kannst du Näheres dazu in § 29 StVZO. Wie gehabt, musst du dich jedoch strikt an einige Vorgaben halten.

Das heißt: Wenn ein Termin zur Abnahme der Hauptuntersuchung vorliegt, können die 5-Tages-Kennzeichen für Fahrten zur nächstgelegenen Untersuchungsstelle am Kraftfahrzeug angebracht werden. Wichtig sind jedoch folgende Voraussetzungen:

  • Die Prüfstelle muss sich im Zulassungsbezirk befinden
  • Der Weg zur Abnahme der HU muss direkt erfolgen
Tom möchte sein abgemeldetes Fahrzeug zur HU bringen. Er hat sich Gelbe Fahrzeugkennzeichen besorgt und fährt zur Prüfstelle. Da seine Frau Sabine gerade Arbeitsschluss hat, überlegt er sich, sie auf dem Weg noch schnell mitzunehmen. Aber Achtung: Das ist nicht erlaubt. Jüngling Tom muss die Fahrt zur Hauptuntersuchung und auch wieder zurück ohne Umwege antreten.

Es gilt also: Eine Strafe gibt es bei der Fahrt mit kurzfristigen Überführungskennzeichen ohne gültigen TÜV-Nachweis nicht. Mit einem Bußgeld musst du ausschließlich rechnen, wenn du nicht den direkten Weg zur Prüfstelle antrittst und dabei in eine Polizeikontrolle gerätst.

Ist eine Zulassung ohne TÜV überhaupt möglich?

Für das Zulassen bzw. das Beantragen von amtlichen Kraftfahrzeugkennzeichen – also den ganz herkömmlichen Kfz-Kennzeichen mit schwarzer Schrift auf weißem Untergrund – brauchst du zwingend einen gültigen HU-Nachweis. Da Kurzzeitkennzeichen aber auch für Überführungsfahrten nicht-zugelassener Kfz vorgesehen sind, gelten hier Ausnahmeregelungen, wie oben beschrieben.

Du kannst übrigens von einer weiteren Ausnahme profitieren: Mal angenommen, du hast deinen Wagen bei GTÜ, Dekra oder wie sie alle heißen vorgestellt – er weist aber Mängel auf, weshalb dir der Prüfer keine Stempelplakette zuteilt. Das ist erst mal ärgerlich, da du einen Mangel zunächst bei einer Autowerkstatt beheben lassen und aufs Neue vorstellig werden musst.

Aber hier kommt dir der Gesetzgeber etwas entgegen: Anstatt jetzt einen Anhänger zu organisieren und das mangelhafte Kraftfahrzeug zum Schrauber deiner Wahl zu bringen, darfst du mit der kurzzeitigen Zulassung ebenfalls zur Werkstatt weiterfahren – auch wenn du keinen TÜV-Nachweis hast. Aber auch hier gilt: Nimm den direkten Weg und bewege dich ausschließlich im Bezirk, in dem sich auch deine Zulassungsstelle befindet – ansonsten könnten Bußgelder auf dich zukommen. Mitunter kann auch der Versicherungsschutz erlöschen, was bei einem Unfall verheerende Folgen hätte.

5-Tages-Kennzeichen ohne TÜV: Früher noch einfacher

Bis zum 01. April 2015 war es übrigens noch einfacher, für Fahrzeuge ohne Hauptuntersuchungsnachweis kurzfristige Überführungskennzeichen zu erhalten. Private Probefahrten waren möglich, ohne dass ein Auto bzw. ein Kraftfahrzeug zugelassen war und ohne, dass ein Nachweis über die Hauptuntersuchung vorlag. Vonseiten des Bundesministeriums für Verkehr wurde daran aber harsche Kritik geübt.

Denn: Auf deutschen Straßen konnten Kfz bewegt werden, die sich in einem desolaten und verkehrsunsicheren Zustand befanden. Durch die Neuerung im Jahr 2015 sollte die Unfallgefahr gemindert werden. Mittlerweile hat es sich als gängige Praxis entwickelt, 5-Tages-Zulassungen für eine Probefahrt nur noch mit HU zu erteilen. Viele Fahrer und vor allem die jüngeren wissen gar nicht mehr, dass das noch bis vor wenigen Jahren anders war.

Diskutiere mit: Kennst du noch die alten Regelungen – wenn ja, haben sich für dich Nachteile daraus ergeben, dass mittlerweile nur noch Werkstätten und Prüfstellen ohne HU-Nachweis angefahren werden dürfen?